Zur Startseite

BN nimmt Stellung ...

  • Übersicht
  • Donauausbau
  • Hochwasser
  • Rettenbach
  • Windenergie SR-BOG

Sorgsamer umgehen mit Boden und Natur vor der Haustür

Aktuelle Pressemitteilungen

Pressemitteilungen 2019

Pressemitteilungen 2018

Pressemitteilungen 2017

Pressemitteilungen 2016

Pressemitteilungen 2015

Pressemitteilungen 2014

SENSATIONELLE ENTDECKUNGEN: RÜCKKEHR DER WILDKATZE IN BAYERNS WÄLDER!

Die Suche des BUND Naturschutz (BN) nach einem der seltensten bayerischen Waldbewohner war erfolgreich. Rund 200 ehrenamtliche Naturschützer sind der Wildkatze auf der Spur. Regelmäßig waren sie auf Lockstock-Kontrollgängen durch den Wald unterwegs und sammelten Haarproben für genetische Analysen. Sie wiesen nach, dass die Wildkatze in die großen Waldgebiete Nordbayerns zurückgekehrt ist - aber auch erstmals südlich der Donau in den Augsburger Raum. „Die neuen Nachweise bestätigen eindrucksvoll den Erfolg der Wiedereinbürgerung durch den BN!“, so der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Allerdings gehen die Naturschützer noch von einer geringen Dichte aus: Nur 200 bis 250 Wildkatzen leben in Bayern.

Eine echte Europäerin erobert sich ihren Lebensraum zurück

Sie durchstreifte unsere Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten, aber kaum einer bekommt sie je zu Gesicht: die Europäische Wildkatze. Deutschlandweit wurde sie durch intensive Bejagung fast ausgerottet. Heute ist sie streng geschützt und kehrt langsam zurück in unsere Wälder. Jetzt gilt es, ihre Lebensräume zu schützen und die Gefährdung durch den Straßenverkehr zu minimieren. Die meisten der gefundenen toten Wildkatzen sind Verkehrsopfer.

Sensationelle Nachweise in Bayern

Spessart, Rhön und die Haßberge galten in den letzten Jahren als die einzigen sicheren Wildkatzenvorkommen in Bayern. Schon 2013 gelangen in verschiedenen großen Waldgebieten Bayerns aber neue Erstnachweise. So konnten die scheuen Tiere im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald und in der Fränkischen Schweiz belegt werden. 2014 wurden dort diese Nachweise bestätigt. Besonders erfreulich waren die Neunachweise in den Landkreisen Kronach und Hof und die Verdichtung der Nachweise in den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels. Sensationell waren vor allem zahlreiche Nachweise nördlich der Donau: Im Landkreis Eichstätt wurden die Funde von 2013 an vielenOrten bestätigt. Sie werden ergänzt durch Neunachweise in den Landkreisen Kehlheim, Donau-Ries und Dillingen. Sogar südlich der Donau finden sich im Raum Augsburg die ersten Beweise eines Wildkatzenvorkommens!

Die Lockstockmethode - Katzen lieben Baldrian

Um an diese Nachweise zu gelangen, setzt der BN eine elegante und effiziente Methode ein. Wildkatzen sind extrem scheu, sehr selten zu sehen und auch dann nur schwierig von manchmal ähnlich gefärbten Hauskatzen zu unterscheiden. Die Lösung kennen Katzenliebhaber: Baldrian lockt Katzen an. Sie reiben sich an der duftenden Stelle. Diese Vorliebe macht man sich zunutze: Raue Holzstäbe werden von ehrenamtlichen Aktiven an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit Baldrian-Lösung besprüht. Reiben sich Wildkatzen daran, so bleiben im günstigsten Fall einige Haare, eingeklemmt im Holz, zurück. Diese Haare werden sorgfältig mit Pinzetten abgesammelt und im Labor genetisch untersucht. In Bayern führt diese Analysen das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP, Teisendorf, Oberbayern) in Kooperation mit dem BN durch. Diese Daten gehen dann zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung und Detailanalyse an das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen (Hessen), das dort zusammen mit dem BN und BUND eine bundesweite genetische Datenbank zur Wildkatze aufgebaut hat.

Wiederansiedlungsprojekte und Zuwanderung

In Bayern galt die Wildkatze als gänzlich ausgestorben. 1984 startete der BN eine Wiedereinbürgerungs-Aktion und setzte bis 2009 vor allem im Spessart über 600 Wildkatzen aus. Auch eine Zuwanderung aus anderen deutschen Waldgebieten, insbesondere aus Thüringen und Hessen, ist mittlerweile wahrscheinlich. Gab es 2002 in Bayern lediglich zwei sichere Nachweise, waren es 2014 bereits 546 Wildkatzennachweise. „Die neuen Nachweise bestätigen eindrucksvoll den Erfolg der Wiedereinbürgerung durch den BN!“, so der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Er dankte bei einer Wildkatzentagung am 9.11.2014 im Rathaussaal in Forchheim den rund 200 ehrenamtlich Aktiven, die in den Wintern 2013 und 2014 mit über 1.500 Lockstöcken der Wildkatze auf der Spur waren: „Nur durch dieses beispiellos große Engagement konnten die Nachweise der Wildkatze in Bayern erbracht werden!“

Der „Wildkatzensprung“

Wildkatzen kennen keine Landesgrenzen. Der Wildkatzen-Gesamtbestand in Deutschland wird heute auf 5.000 – 7.000 Tiere geschätzt, in Bayern auf 200 bis 250.

Mit dem Projekt „Wildkatzensprung“ engagieren sich 10 Landes-verbände des BUND für die Wildkatze. In den Jahren 2012 bis 2014 entstehen deutschlandweit in Lücken zwischen großen Waldgebieten vierzehn grüne Korridorverbindungen und eine Waldaufwertung, die Wildkatze & Co Schutz bei der Wanderung bieten und ihre Populationen sichern. Die deutschlandweite Gendatenbank für die Wildkatze soll Aufschluss über Wanderbewegungen, Verwandtschaftsverhältnisse und den Grad der Isolierung der verschiedenen Populationen geben.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das Projekt „Wildkatzensprung“ im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ mit 3,8 Millionen Euro. Ergänzt durch Eigenmittel des BUND und andere Förderer stehen für die Umsetzung der Waldverbindungen und den Aufbau der Gendatenbank insgesamt 5,2 Millionen Euro zur Verfügung. In Bayern wurde die Erfassung zusätzlich vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit Mitteln aus der Jagdabgabe unterstützt. Der BN dankt allen Unter-stützern für die finanzielle Förderung. Organisiert wird das BUND-Projekt in Bayern vom BN-Artenschutzreferenten Kai Frobel und dem BN - Wildkatzenprojektteam mit den Biologen Ulrike Geise, Sabine Jantschke und Jürgen Thein.

Mehr Raum für wilde Tiere

Für eine stabile Wildkatzenbevölkerung sind große naturnahe und unzerschnittene Waldflächen nötig. Der BN erneuert daher seine Forderung nach einem Nationalpark für die wertvollen Buchenwälder im Nordsteigerwald.

gez. Dr. Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent