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BN gibt Tipps zum Kompostieren, Gärten naturnah anlegen sowie gift- und torffrei pflegen und zeigt Alternativen zum Torf

Gärtnern ohne Torf schützt CO2-Speicher und Lebensraum Moor – Beitrag zu Biotop- und Klimaschutz zugleich


Streuobstwiesen als Paradiese aus Menschenhand für viele Arten schützen und neu anlegen


Ehrenamt im BUND Naturschutz

Weil sie es noch im Kreuz haben!

Biotoppflege ist eine der wichtigsten Aufgaben der Ehrenamtlichen im BUND Naturschutz. Im Palsweiser Moos kümmert sich eine äußerst rührige Truppe darum, dass Riedteufel, Biber und Kreuzotter dort eine gute Zukunft haben. Unsere Autorin Heidi Tiefenthaler hat sich bei einem Arbeitseinsatz unter die Aktiven gemischt.

Der Morgen ist kalt, als ich gegen neun Uhr aus dem Zug steige, aber die Sonne strahlt schon aus allen Knopflöchern. Fast scheint es, als habe der Dachauer BN sogar das Wetter bestellt. Wundern würde es mich nicht, denn die gesamte Organisation des Arbeitstreffens lief wie am Schnürchen. Termin finden, Fotograf organisieren, Freiwillige informieren: Nach meinem Anruf dauerte es weniger als eine Woche und die gesamte Orga stand. Manch ein Unternehmen würde sich ein so gut eingespieltes Team wünschen.

Der Tag hat 40 Stunden

 

Etwa ein Dutzend Männer und Frauen warten schon am Treffpunkt vor der Moosalm, der ehemaligen Kantine der Torfarbeiter. Ein aufgeweckter Arbeitstrupp in Bergschuhen und Arbeitshosen. Viele sind Vertreter der Generation 60 plus und voller Tatendrang. Roderich Zauscher, der Vorsitzende der Kreisgruppe, ist ebenfalls im Rentenalter, was allerdings nicht viel heißt: » Sein Tag hat wahrscheinlich 40 Stunden!«, mutmaßt eine Dame aus dem Arbeitstrupp. Halbtags unterstützt der Tierarzt seinen Sohn in der Praxis, nebenher leitet er die Kreisgruppe Dachau und viele Fäden für das Palsweiser-Moos-Projekt laufen bei ihm zusammen. Vor allem kümmert sich Zauscher um den Ankauf neuer Flächen. Das ist bei den kleinteiligen Eigentumsverhältnissen ein mühsames Geschäft. Aber wenn es einer schafft, dann er. Er kennt alle und spricht die Sprache der Leute. Vor allem auch jene der Bauern, seiner ehemaligen Kunden. Auch wenn ihm die Auswüchse der Agrarindustrie manchmal zu schaffen machen: »Ich bin ein großer Freund der Landwirtschaft«, betont Zauscher.

 

Für das Projekt ist dieser gute Kontakt Gold wert, denn das Moos im Landkreis Dachau ist, wie fast alle Moore in Deutschland, von Jahrhunderte währender Nutzung geprägt. Lange Zeit wurde dort industriell abgetorft und Landwirtschaft betrieben. Heute ist das Feuchtgebiet von Entwässerungsgräben, intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen und Kleingartenanlagen durchsetzt. Wo immer es noch relativ ungestörte Areale gibt, zeigt der Lebensraum jedoch sein Potenzial: Dort dehnen sich artenreiche Streuwiesen, Moorbirkenwälder und Feuchtwiesen aus. Seltene Pflanzen- und Tierarten finden dort Lebensraum. Jetzt geht es darum, sich mit Landwirten und anderen Bodenbesitzern auf eine möglichst extensive Nutzung des Mooses zu einigen.

 

Herr der Maschinen

 

Wir sind am Einsatzort angekommen. Im Birkenwäldchen vor uns ist eine deutliche Schneise erkennbar. Heinz Gibowsky von der Kreisgruppe Dachau erklärt, was es mit der Maßnahme auf sich hat. In professioneller Waldarbeiterausrüstung, fit und voller Tatendrang verkörpert er das, was heute wohl als »Best Ager« bezeichnet wird. Er genießt den passiven Teil seiner Altersteilzeit und ist dabei unermüdlich für den BN im Moos und in den Amperauen unterwegs. »So an die 600 Arbeitsstunden pro Jahr kommen schon zusammen«, meint er. Für ihn ersetzt die Biotoppflege das Fitnessstudio. »Naturerlebnis und körperliche Anstrengung – genau das, was man in diesem Lebensabschnitt braucht.« Und sie gibt Sinn: »Oft stellt man als Vorruheständler fest, dass man sich zwar beschäftigt, richtige Aufgaben, mit denen man sich identifizieren kann, aber fehlen. Gibowsky hat seine Aufgabe gefunden: Er ist beim BN Dachau so etwas wie der Herr über die Maschinen. Dank einer großzügigen Spende ist die Kreisgruppe gut ausgestattet: Gibowsky erzählt, wie unentbehrlich der Terra-Traktor für die Biotoppflege ist. Schwärmt von den bodenschonenden Niederdruckreifen, dem Balkenmähwerk und dem Ladewagen. Und während er von allerlei Gerätschaften erzählt, rücken die Männer um uns herum enger zusammen, um die vorgezeigten Fotos auf dem Smartphone zu kommentieren. In jedem Naturschützer schlägt auch ein Bauernherz …

 

Und Gibowsky selbst? Stammt er aus einem Bauernhof? »Nein, aber aus Niederbayern. Da kann man Traktor fahren«, antwortet er lapidar. Und dann wirft er die Motorsäge an, um die letzten Birken in der schmalen Schneise zu fällen. Die geräumte Fläche ist eine Art roter Teppich für den Riedteufel. Der seltene Schmetterling lebt bereits im Palsweiser Moos, scheut sich aber, hohe Hindernisse wie das Birkenwäldchen zu überfliegen. Die Schneise wird ihm helfen, seinen Lebensraum zu vergrößern.

 

Auch wegen wertvoller Arten wie dem Riedteufel oder der Kreuzotter steht das Palsweiser Moos seit 1974 unter Landschaftsschutz. Aber wie sich gezeigt hat, reicht dieser Status nicht aus, um die ehemaligen Moorflächen ausreichend zu schützen und ihr ganzes Potenzial zu nutzen. Der BN hat deshalb schon mehr als sechs Hektar Moosflächen aufgekauft, mäht und pflegt sie und versucht dort langsam wieder so etwas wie eine natürliche Moordynamik einzuleiten. Kein einfaches Unterfangen! Immer wieder wurden Entwässerungsgräben viel zu tief ausgebaggert, sodass der verbliebene Torfkörper austrocknete. Doch dann kam Hilfe von unerwarteter Seite. Der Biber hielt Einzug und stellte eindrucksvoll seine Fähigkeiten als Biotopmanager unter Beweis. Ein stattlicher Damm staut heute einen der Hauptentwässerungsgräben und die umliegenden Flächen atmen bereits einen Hauch von zurückkehrender Wildnis. Nachwuchs für eine gute Zukunft

 

Um die 40 Moorbirken haben die Freiwilligen vom BN schon gefällt, entastet, in Meterstücke geschnitten, zum Waldweg gebracht und schließlich Stamm- und Astabschnitte getrennt voneinander in großen Haufen gestapelt. Vier Tage dauerten die Fällarbeiten und knapp eine Woche das Abräumen der Schneise. Während Heinz Gibowsky die letzten großen Stammstücke kleinsägt, ziehen, rollen und schleifen wir Anderen Äste und Stammabschnitte zum Weg. Ein elfjähriger Junge schuftet neben mir, was das Zeug hält. Auf die Frage, was ihm am Naturschutz gefällt, sagt er schlicht: »Ois«. Seine Mutter arbeitet bei Dr. Zauscher in der Praxis und hat sich schon vor Jahren von dessen Begeisterung für den Naturschutz anstecken lassen. Für ihren Sohn steht der Berufswunsch bereits fest. Bauer will er werden. Ein kleiner Naturschützer als Landwirt? Das spricht doch für eine gute Zukunft!

 

Mit circa 30 Händen ist die Arbeit heute schnell geschafft. Alle wissen, wie es geht und weil ein Ende abzusehen ist, ist die Stimmung besonders gut. Und wer Seit an Seit Äste von der Fläche zieht, kommt leicht ins Gespräch. Ich habe schon eine Landschaftsgärtnerin, einen Elektroingenieur, einen Juristen, eine Geografin und einen Spezialisten für Unterwasseraufnahmen von Walen kennengelernt. Zwei der Aktiven erzählen mir, dass Tschernobyl beziehungsweise die Proteste gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf eine Art »Erweckungserlebnis« für sie waren. Die Einsicht, dass man jetzt wirklich etwas tun müsse, wenn man später seinen Kindern noch gerade in die Augen schauen will. Da und dort entspinnen sich auch Fachgespräche – über den Biber oder die Entwicklung von Laichgewässern. Oft wird aber einfach nur geflachst: »Rudi, dei Schuhbandl is offen. Pass auf, ich bind’s dir!« Und zu den anderen gewandt: »Er hat’s doch im Kreuz …«

 

Am Ende eines arbeitsreichen Biotoppflege-Tages kann ich nur sagen: Wenn ich es im Rentenalter noch genauso im Kreuz hab’ wie die Aktiven aus Dachau, bin ich ziemlich zufrieden.

 

Porträt

Gewöhnliche Schafgarbe

Vom Frühsommer bis zum Spätherbst blüht auf Wiesen und Weiden, an Acker-, Weg- und Straßen-rändern die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium). In doldenartigen Blütenständen erscheinen die kleinen Blütenköpfchen des Korbblütlers; sie tragen außen weiße (oder rötliche) Zungenblüten, innen gelblichweiße Röhrenblüten. Die schmalen Blätter sind zwei- bis dreifach fiederteilig.

 

Der römische Autor Plinius der Älte-re (um 23 – 79 n. Chr.) erklärt den Namen »achilleos«: Der Held Achilles, ein Schüler des pflanzen- und heilkundigen Kentauren Chiron, habe die heilende Kraft der Pflanze entdeckt und damit König Telephus von seiner Verwundung geheilt. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) empfiehlt »garwa« als Wundkraut, und Leonhart Fuchs schreibt in seinem Kräuterbuch (1543): »Die Garbkreüter seind nützlich zu allerley eüsserlichen vnd innerlichen wunden vnd geschwären gebraucht«. Auch gegen Rückenschmerzen setzte man – aufgrund des Vergleichs der Blattgestalt mit dem Rückgrat – in der früheren Volksmedizin das »Herrgottsruckenkraut« ein. Weit verbreitet war in Bayern und Österreich die Meinung, die rötlich blühende Schafgarbe sei für Männer, die weiß blühende für Frauen heilsam. Sogar gegen die Pest sollte die Schafgarbe helfen: Man hängte die aromatisch riechende Pflanze deshalb mancherorts in Häusern auf. In der modernen Phytotherapie ist die Gewöhnliche Schafgarbe eine anerkannte Heilpflanze.

 

Zum Gründonnerstagsgemüse oder der Gründonnerstagssuppe, früheren Kultspeisen, von denen es hieß, ihr Genuss würde das Jahr über gesund erhalten, gehörten häufig – neben anderen Wildkräutern und in kleinen Mengen – die jungen Schafgarbenblätter. In der Wildkräuterküche hat auch heute die Gewöhnliche Schafgarbe als Würzkraut einen Platz.

 

Ehe Hopfen für diesen Zweck allgemein üblich wurde, hat man, vor allem in Nordeuropa, die bitterstoffhaltige Gewöhnliche Schafgarbe als Bierwürze verwendet. Ihre Blätter dienten in Notzeiten, wie die vieler anderer heimischer Pflanzen, als Tabakersatz. Auch zum Färben von Wolle und Textilien in Gelb- und Grüntönen ließ sich das Kraut einsetzen. Gewöhnliche Schafgarbe gehörte und gehört auch heute vielerorts in das Kräuterbüschel aus sieben, neun oder mehr verschiedenen Kräutern, das an Mariä Himmelfahrt (15. August) in der Kirche gesegnet wird.

 

Die Gewöhnliche Schafgarbe – in Mitteleuropa gibt es weitere Schafgarbe-Arten – heißt auch Wiesen-Schafgarbe. Sie besiedelt trockene, nährstoffreiche Wiesen und Weiden, wächst aber auch an anderen ihr zusagenden Plätzen. Ihr Bestand ist nicht gefährdet, aber durch Grünlandumbruch wurde ihr namengebender Standort in den letzten Jahren eingeschränkt. Seit Mitte 2014 ist auch in Bayern Umbruch von Dauergrünland genehmigungspflichtig, da, wie zuvor schon in anderen Bundesländern, eine von der EU festgelegte relevante Schwelle überschritten wurde. Der BUND Naturschutz, der sich seit Jahren für den Erhalt von Wiesen und Weiden einsetzt, hält diesen etwas verbesserten Schutz für nicht ausreichend, weist auf die wichtigen Funktionen von Grünland wie Wasserspeicherung, Erosionsschutz, Speicherung von Kohlendioxid, Trinkwasserschutz und Artenerhalt hin und fordert ein Gesetz für eine dauerhafte Sicherung von Wiesen und Weiden sowie eine stärkere Förderung der Grünlandnutzung.

 

Gewöhnliche Schafgarbe – lindernd und würzig

Moderne Phytotherapie: Zubereitungen aus den getrockneten blühenden Triebspitzen innerlich bei Appetitlosigkeit und leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-, Darm- und Gallenbereich; äußerlich als Sitzbad bei leichten krampfartigen Schmerzen psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau

 

Wildkräuter-Küche: Junge Blätter in kleinen Mengen als Würze in Suppen, Salaten, Wildgemüse oder Kräuterquark

 

Achtung! Schafgarbe kann Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.

 

In der Gartensaison und Millionen Beete und Blumentöpfe werden neu bepflanzt. In Gartencentern und Baumärkten stapeln sich bereits die Säcke mit Blumen- oder Pflanzenerde. Da Garten- und Blumenerde bis zu 90 Prozent aus Torf besteht, rät der BUND jedoch vom Kauf herkömmlicher Erden ab. Die Torfgewinnung vernichtet Moore und mit ihnen viele seltene Pflanzen und Kleintiere. Moore sind nicht nur Lebensraum für Arten wie den Sonnentau oder das Birkhuhn, sie speichern auch das Klimagas Kohlendioxid. In Deutschland werden jährlich etwa zehn Millionen Kubikmeter Torf verarbeitet. Zwei Millionen davon durch privaten Verbrauch. Geht die Zerstörung der Moore weiter wie bisher, rechnet der BUND mit einer Erschöpfung der zum Abbau genehmigten Torfvorräte in etwa zehn Jahren. Für den Klimaschutz hätte dies dramatische Folgen. Allein in Deutschland setzt die Torfgewinnung jährlich rund zwei Millionen Tonnen CO2 frei. Zusatzstoffe wie Kompost, Rindenhumus oder Holzfasern können den Torf-Anteil der Gartenerde problemlos ersetzen. Eines der besten Mittel zur Bodenverbesserung ist der eigene Kompost. Wer einen Garten hat, kann selbst kompostieren, führt dem Boden mit Kompost organisches Material mit hoher biologischer Aktivität zu und hat gleichzeitig eine organische Düngung. Daher bietet der Bund Naturschutz (BN) in einem Infopaket Garten die Broschüre „Richtig kompostieren“ an, ebenso ein Faltblatt "Torffrei gärtnern – Natur und Klima schützen" und Tipps zur naturnahen Gartengestaltung. Streuobstwiesen als Paradiese aus Menschenhand für viele Arten zu schützen und neu anzulegen rät der BN ebenso, auch dazu liegt den Infos eine Handreichung bei.

 

Das Infopaket Garten gibt es von Montag bis Freitag  beim BN, Albrechtsgasse 3, 94315 Straubing, Tel. 09421/2512, Fax 963910 oder straubing@bund-naturschutz.de für 5 € als Schein, Briefmarken oder Vorabüberweisung  auf das Konto 461251 des BN, Sparkasse Niederbayern-Mitte, BLZ 74250000;  IBAN DE03 7425 0000 0000 461251, SWIFT-BIC BYLADEM1SRG, mit vollständiger Absenderangabe und Kennwort „IP Garten“ .