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Leserbrief zum Leserbrief „Billige Ausreden“

Sudelfeld nur eine Spitze des naturzerstörischen Eis- bzw. Kunstschneeberges - BN längst juristisch eingeschritten

 

Der Landesverband des Bund Naturschutz und der Deutsche Alpenverein sind längst auch juristisch aktiv gegen Beschneiungsanlagen und Kunstschneewelten und gerade auch gegen die Sudelfeld-Zerstörung vorgegangen. Unter www.bund-naturschutz.de/themen/alpen.html ist der bisher unerfreuliche Verlauf dazu dokumentiert: Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am 19. August 2014 die Beschwerde des Deutschen Alpenvereins sowie des Bund Naturschutz gegen den Gerichtsentscheid
des Verwaltungsgerichts vom 3. Juni 2014 zurückgewiesen. Die Beschwerde hatte zum Ziel, die aufschiebende Wirkung einer Klage der beiden Naturschutzverbände gegen den Bau von Beschneiungsanlagen am Sudelfeld wiederherzustellen – damit hätte bis zur finalen Entscheidung des Gerichtes am Sudelfeld nicht weiter gebaut werden dürfen. Weitere Rechtsmittel sind in dieser Angelegenheit nicht zugelassen; die grundsätzliche Entscheidung fällt nun in der Hauptverhandlung zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Gerichte bewegen sich dabei immer im Rechtsrahmen, den die Politik setzt, und bei dem das Gewinnstreben von Anlagenbetreibern allermeist vor dem Schutz unser aller Lebensgrundlage Vorrang erhält. Abgeordnete und Bayerische Staatsregierung stehen in der Pflicht, belastbare Regeln zu schaffen, die Genehmigungen für solche Vorhaben nicht mehr zulassen.

BN und DAV beurteilen die Modernisierung des Skigebietes Sudelfeld als nicht nachhaltige und wenig zukunftsweisende Investition, die gleichzeitig die Entwicklung eines tragfähigen Ganzjahrestourismus behindert. Leider ist das Gericht der Argumentation der Naturschutzverbände nicht gefolgt und sieht die Modernisierung des Skigebietes nach wie vor als „zwingende Voraussetzung“ für eine wirtschaftliche Entwicklung der Tourismusregion am Sudelfeld. Zumindest einen Teilerfolg können die Naturschutzverbände bislang verbuchen: Der Beschneiungszeitraum wurde von ursprünglich viereinhalb auf dreieinhalb Monate verkürzt. Diese „Einzel-Baustelle“ Sudelfeld ist aber nur eine Spitze des Eis- bzw. Kunstschneeberges, Nur ein Teil einer generellen und länderübergreifenden Naturzerstörung durch völlig überzogenen Ausbau von Skigebiete, Skischaukeln und zusammenhängenden Pisten von teils mehr als 600 km Länge.

Damit sich ein Teil unserer Gesellschaft noch einen besonderen „Kick“ gönnen kann, wird der Alpenlandschaft ein weiterer „Kick“, an Naturzerstörung verpasst. Und damit die Freizeitindustrie weiter Geld verdienen kann. Dass sich dabei Angebot und Nachfrage gegenseitig bedingen und „befruchten“, ist klar. Insofern befordert und beschleunigt jeder Geldzufluss in die Kunstschneewelten – auch aus den Taschen der Jugendlichen und ihrer Eltern im Rahmen von Schulskilagern - diese naturzerstörische Fehlentwicklung. Was sich angesichts der bekannten Bedrohungen für die Biodiversität sowie in Zeiten des Klimawandels von selbst verbieten sollte.

Dabei gilt im Freizeitsektor dasselbe wie im Verkehrs-, Energie-, Agrar-, Rohstoff- und Konsumbereich gleichermassen: Wir, ein ansehnlicher Teil der Bevölkerung der Industrie- und Konsumgesellschaft leben seit längerem über unsere Verhältnisse. Wir verbrauchen weitaus mehr von den natürlichen Ressourcen, als uns als gerechter Anteil jedes Erdenbewohners zustehen würde.

Dieses grobe Überschreiten des uns zustehenden Anteils an den natürlichen Ressourcen gilt es zu unterlassen - gerade im Freizeitsektor. Eine für manche vielleicht unangenehme Ansage. Aber weit angenehmer als die Folgen eines Weiter-so bei der Zerstörung der Biodiversität als unser aller Lebensgrundlage. Deshalb beinhaltet Artikel 161 der Verfassung des Freistaates Bayern als eines der obersten Bildungsziele das Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, das es in den Schulen konkret „vorzuleben“ gilt, auch bei den Freizeitangeboten und - aktivitäten.

von Alois Mittermeier