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Neophyten – neue Pflanzen

Eine Bayern-Tour-Natur-Veranstaltung des Bund Naturschutz führte eine Radlergruppe unter der bewährten Leitung von Jürgen Englisch vom Umweltamt auf Entdeckungsfahrt zum Thema „Neophyten“ ins Hafengebiet und in die Aue von Donau und Aiterach. Neue Pflanzen, die ursprünglich nicht Teil der heimischen Vegetation waren, gibt es in Mitteleuropa bereits seit dem Ende der Eiszeit und mit Beginn der Sesshaft-Werdung der Menschen. Spätere Wanderwege bereiteten die Römer. Dem Getreidesaatgut beigemengt, blühten damals die ersten Ackerwildkräuter wie zum Beispiel Klatschmohn, Kornblume und Kornrade, die als sogenannte Archaeophyten die Vegetation der Kulturlandschaft bis heute farbenfroh bereichern. Den Römern haben wir außerdem auch den Walnuss-Baum zu verdanken, der sich in Folge der Klimaerwärmung auch bei uns zunehmend in der freien Landschaft verbreitet. Die Entdeckung Amerikas brachte Schiffsladungen fremder Pflanzen und an Waren und Schiffen anhaftende Sämereien aus der neuen Welt. Bis heute ist die Schifffahrt einer der wichtigsten Einwanderungswege für Neophyten, die in und rund um die meist durch großflächige Versiegelung als Wärmeinseln wirkenden Hafengebiete ideale Bedingungen für wärmeliebende pflanzliche Neubürger sind, die von dort über den weiteren Warentransport auch die Reise ins Landesinnere antreten. Mit zunehmender Globalisierung erfolgte die Verbreitung von Neophyten in einem Tempo, dem potentielle „Schädlinge“ und Freßfeinde der Pflanzen-Neulinge, die diese in Schach halten würden, nicht folgen konnten. Dies ist der Hauptgrund für deren teils ungehemmte und dadurch problematische Verbreitung in den neu eroberten Gebieten. Im Umfeld des Straubinger Hafens konnten die Exkursionsteilnehmer gleich mehrere Neophyten kennenlernen: Die Kanadische Goldrute, die mit ihren dichten Beständen die heimische Vegetation fast vollständig verdrängen kann und somit einerseits eine Problempflanze für den Natur- und Artenschutz darstellt, andererseits reichblühend aber eine Nektarquelle für Schwebfliegen, Bienen und andere Insekten bedeutet. Kanadisches Berufskraut, einjährig und mit weniger aggressivem Wachstum eher unproblematisch, sowie die Nachtkerze, die als Wirtspflanze vom Nachtkerzenschwärmer entdeckt wurde und daher auch positiv bewertet werden kann. Nicht weit entfernt wachsen Robinien, die Luftstickstoff binden, dadurch auch auf mageren Standorten Fuß fassen, die sie durch die Anreicherung von Nährstoffen aber dauerhaft verändern. Essigbaum und Glattblatt-Aster sind typische Kennarten illegaler und verbotener Gartenabfall-Entsorgung in der freien Landschaft. Abgesehen von der unerwünschten Verbreitung von Gartenpflanzen sorgen pflanzliche Abfallhaufen, die nicht kompostieren sondern meist verfaulen, für schädliche bis giftige Sickerwässer, die dann in das Grundwasser oder angrenzende Gewässer gelangen können und daher sehr problematisch sein können. Von Anwohnern der Aiterach in wohl guter Absicht gepflanzter Wilder Wein, ebenfalls ein Neophyt, bedroht nicht nur den Lebensraum der Zauneidechse durch Überwuchern der Hochwasserschutzmauer, sondern wandert auch mit radikalem Wachstum und kaum rückholbar in die angrenzende Aue ein. Als weitere Problemart gilt der Eschen-Ahorn, an der Donau zunehmend verbreitet, mit ebenfalls radikalem Wachstum nur schwer zu bekämpfen und die Standorte der geschützten und ökologisch höchst wertvollen Silberweiden-Aue erobernd. In regelrechten „Monokulturen“ jedes andere Leben am Ufer der Aiterach erstickend, bildete der Staudenknöterich, ein Neophyt aus Asien, den Abschluß der Portraits teils schöner, neutraler, bereichernder oder problematischer „neuer Pflanzen“.