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Jeder kann Motorenlärm verringern

Lärm macht krank – BN hat Rezepte gegen den Krankmacher Lärm zusammengestellt- Verkehrsberuhigung Aufgabe von Kommunalpolitik und –verwaltung, Bund soll Schienenlärm reduzieren- Rad, Bus und Bahn benutzen, weniger Rasenmähen und Laub kehren statt saugen

Lärm ist ein oftmals unterschätzte Gesundheitsproblem. Geräuschen kann sich der Mensch nicht entziehen. Ohren haben keinen Ausschaltknopf. Auch im Schlaf hören sie mit, was in der Umgebung los ist. Ein lauter Knall, Donner oder plötzliches Dröhnen löst unwillkürlich archaische Stressreaktionen aus: Schließlich bedeutete ein abrupt erhöhter Schallpegel in früheren Zeiten fast immer Gefahr, der Mensch musste schnell auf den Beinen sein. Der Schall wird über den Hörnerv zum Gehirn, ins Rückenmark und zum vegetativen Nervensystem abgeleitet. Stresshormone werden ausgeschüttet, Gefäße verengen sich, Blutdruck und Puls steigen, Muskeln spannen sich an. Auch heute noch reagieren unsere Körper so auf ein in der Nähe startendes Flugzeug. Dabei war im Strassenverkehr das einzelne Fahrzeug in den 70er Jahren wesentlich lauter als heute. Damals emittierte ein Lkw-Motor satte 12 Dezibel (dB[A]) mehr als heute. Auch der Käfer und seine Zeitgenossen muteten der Umgebung um etwa 10 dB[A] höhere Geräuschpegel zu als aktuelle Modelle – 10 db[A] mehr nimmt der Mensch subjektiv als eine Verdoppelung der vorigen Lautstärke wahr. Doch der enorme Verkehrszuwachs habe die Ingenieursleistungen längst zunichte gemacht, stellt der Bund Naturschutz (BN) fest: Messungen an Autobahnen und Bundesstraßen belegen, dass es dort immer lauter geworden ist und sich die Lärmkorridore immer weiter in die Landschaft hineingefressen haben. Ab einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern übertönt heute das Reifen Fahrbahngeräusch den Motorenlärm eines Pkw, bei Lkw ist dieser Punkt ab Tempo 70 erreicht. Mit Verkehrsvermeidung und –verlagerung auf umweltverträglichere Verkehrsmittel müsse daher Lärmquellen von vornherein ausgeschaltet werden. „Fahrräder sind leise, stinken nicht“, diese Wahrheit ruft der BN in Erinnerung, um für das häufigere Radeln auf Kurz- und Mittelstrecken zu werben. Es erspare darüber auch die Autofahrt zum Fitnesscenter… Auch der Umstieg vom PKW auf Bus und Bahn trage zur Lärmreduzierung bei, noch dazu mit den heute mehr und mehr eingesetzten leiseren Personenzügen.  <http://www.fairkehr-magazin.de/1087.html> Schienenlärm resultiere vor allem aus dem Güterverkehr, weil die meisten Güterzüge heute noch so laut sind. Hier wäre eine Nachrüstung mit einer schallarmen Radtechnik nötig, deren hohe Kosten bisher aber niemand übernehmen wolle. Wissenschaftliche Forschungen belegten, dass das Herzinfarktrisiko von Männern signifikant steigt, wenn sie Tag für Tag von mehr als 65 dB[A] Lärm umtost werden – wobei hierunter ein über den ganzen Tag gemessener Mittelwert verstanden wird. Ob der zustande kommt, weil permanent Fahrzeuge vor der Haustür vorbeirauschen oder von Zeit zu Zeit besonders laute Jumbos übers Dach fliegen, sagt die Zahl nicht aus. Allerdings haben Anwohner bestehender Straßen keinen Rechtsanspruch auf die Einhaltung bestimmter Grenzwerte. Nur Einwirken auf Kommunalpolitik und -verwaltung könne zu Verkehrsberuhigung  oder der Ausweisung einer Tempo-30-Zone im Wohnumfeld führen. Rund 15 Prozent der deutschen Bevölkerung müssen heute unter gesundheitsbedrohlichen Bedingungen leben. Etwa 2000 bis 4000 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Dauerbeschallung. Auch Bluthochdruck und zunehmender Medikamentengebrauch wurden beobachtet. Allein durch Krankheit und Todesfälle verursacht Verkehrslärm Kosten von etwa zwei Milliarden Euro im Jahr. Was den Nachweis derartiger Zusammenhänge schwierig macht, ist die Tatsache, dass die Patienten häufig auch anderen Umweltbelastungen ausgesetzt sind.

Zu laut ist es auch an manchen Arbeitsplätzen. Lärmschwerhörigkeit ist heute die häufigste Berufskrankheit, etwa 5000 Fälle werden jährlich anerkannt. Verursacht wird sie in der Regel durch Presslufthammer und andere Maschinen, die mit einem Schalldruckpegel von 85 dB[A] oder mehr stundenlang auf die Beschäftigten eindröhnen. Manchmal kann jedoch auch ein einmaliger Knall von mehr als 120 dB[A] die Hörzellen abtöten – ein sogenanntes Knalltrauma. Seit 2007 gilt in Deutschland deshalb eine EU Richtlinie, die Arbeitgeber verpflichtet, ihren Beschäftigten ab 80 dB[A] einen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen; ab 85 dB[A] besteht Tragepflicht. Schließlich entstehen neben dem persönlichen Leid auch enorme Kosten für die Allgemeinheit. Wenn dann auch noch Ziel von Klangdesignern bei manchen „Premium-„Autoherstellern ist,  dem Fahrer durch ein bestimmtes Motorbrummen das Gefühl von Fahrkomfort zu unterstützen und dem Menschen am Lenker insbesondere beim Beschleunigen das Geräuscherlebnis zu verschaffen, das er sich von einem teuren Auto wünscht, dann gehe dies zu Lasten der Allgemeinheit. Auch die Überlagerung der Geräusche von Turbinen, Rotoren und anderen Komponenten beim Flugzeugstart können fürs menschliche Ohr äußerst lästig sein. Die Gegner einer geplanten dritten Startbahn am Münchner Flughafen haben daher gute Gründe, gegen zusätzlichen Fluglärm aktiv zu werden und auf weniger Flugverkehr zu pochen,  der darüber hinaus auch stark klimaschädigend sei. Besonders aufreibend empfinden die meisten Menschen beispielsweise die akustischen Emissionen von Laubbläsern und -saugern, was an deren Frequenzbereich zwischen 500 und 4000 Hertz liegt. Für den öffentlichen und privaten Bereich gelte es somit, auf lärmerzeugende motorbetriebene Arbeitsgeräte wie Laubsauger oder –gebläse zu verzichten, nur die leisestmöglichen (Elektro-)Rasenmäher einzusetzen und diese sparsam: wer auf die wöchentliche Rasur von Freiflächen verzichte, tue gleichzeitig etwas für die Artenvielfalt. Denn kurzgeschorene Rasenflächen seien ein ausgesprochenes (Arten-) Armutszeugnis in den Gärten. Kurz gehaltene Freiflächen sollten auf wirklich intensiv genutzte Bereiche beschränkt werden zu Gunsten von artenreichen standortangepassten Blumenwiesen mit verschiedensten Gräsern, die am lärmärmsten zwei bis dreimal im Jahr mit der Sense gemäht werden könnten, was statt Lärm körperliche Ertüchtigung garantiere. 

Der BN bietet ein Infopaket „Lärmschutz“ mit diversen Ausarbeitungen zum Thema an. Gegen Briefmarken oder Vorab-Überweisung von 3 € auf das Konto 461251 bei der Sparkasse Niederbayern-Mitte, BLZ 74250000 mit genauer Absenderangabe und Stichwort „IP Lärm“  ist Bestellung möglich unter Tel. 09421/2512, Fax 09421/963910 oder unter Email straubing@bund-naturschutz.de. Kostenlos erhältlich ist das Infopaket bei Abholung beim Bund Naturschutz, Albrechts-gasse 3, 94315 Straubing, Öffnungszeiten sind Montag bis von 9 bis 16 Uhr sowie Samstag von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr.
 
Mit freundlichen Grüssen
Johann Meindorfer