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Flächenversiegelung von ausufernden Wohn- und Gewerbegebieten, Strassen, Stell- und Parkplätze stoppen!

Den problematischsten Flächenverbrauch stellen nicht die bei Eingriffen anzulegenden Ausgleichsflächen dar, die praktisch immer zu einer optischen wie ökologischen Aufwertung der Landschaft führen. Und die in verschiedenen mit Steuergeldern angefertigten Planwerken vom Landesentwicklungsprogramms (LEP) mit den – amtlichen - Forderungen „Dauerhafte Sicherung und – wo möglich – Wiederherstellung der Naturgüter Boden … Pflanzen- und Tierwelt“, „Sicherung von Lebens- und Teillebensräumen wild lebender Pflanzen und Tiere, Weiterentwicklung zu Biotopverbundsystemen“ über den Regionalplan bis hin zu den einzelnen Landschaftsplänen enthalten sind. Leider bisher nur als Papiertiger, die in den Schubladen der meisten Gemeinden seit Jahren der Umsetzung harren. Wenn Ausgleichsbedarf und Eingrünungs-Maßnahmen für Freiland-Photovoltaikanlagen zu deren zaghafter Verwirklichung führen, dann wird dieser Umsetzungsstau wenigstens in kleinem Umfang abgearbeitet, wobei sich die  Gemeinden um den dauerhaften dieser ökologischen Aufwertungspflanzungen bemühen soltten.

Das eigentliche Problem ist die Versiegelung  von Flächen durch immer weiteren Strassenbau sowie Überbauung mit ausufernden Wohn- und Gewerbegebieten inclusive ihrer flächenfressenden Anhängsel: Stellplätze und Parkplätze in grosser Zahl. Dass eigentlich nach dem Baugesetzbuch „mit Grund und Boden sparsam und schonend umgegangen werden soll und dabei Bodenversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen“ sind, wird in der Praxis der Bauleitplanung allzu oft ignoriert. Auch entsprechend der Zielvorgabe des LEP ist  zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung eine „möglichst geringe Versiegelung von Freiflächen“ sicherzustellen. Damit sind ausufernde flächenintensive Einfamilienhaus-Gebiete an Ortsrändern nicht vereinbar. Die Verbauung zusätzlicher neuer Flächen ist mit den Zielvorgaben nur vereinbar, wenn diese mit einem verdichteten Bebauungskonzept erfolgt, das auch den Umfang der erschliessenden Verkehrsanlagen minimiert, die mit steigender Grundstücksgrösse – ob überbaut oder nicht – unvertretbar mit ansteigen. Nicht zuletzt führt eine unzureichend attraktive ÖPNV-Anbindung von Neubaugebieten in den Landkreisgemeinden zu einem erhöhten Strassenraum- und Stellplatzbedarf und somit zu unnötiger Flächenversiegelung. Auch den Anforderungen des Bayerischen ÖPNV-Gesetzes wird  nur dann Rechnung getragen, wenn zur Vermeidung unnötigen motorisierten Individualverkehrs für den Berufs-, Gelegenheits- und Freizeitverkehr ausreichend attraktive ÖPNV-Angebote für den Ort bzw. das Baugebiet  bestehen oder geschaffen werden. In der Praxis Fehlanzeige. Neue Siedlungsgebiete ohne ein für die Alltagserledigungen und –fahrten attraktives ÖPNV-Angebot führen auch über eine dadurch verursachte Frühmotorisierung Jugendlicher zu nicht vertretbaren Umweltbelastungen durch den motorisierten Individualverkehr. Mit der Begründung, dass“von der „höheren Landesplanung diesbezüglich keine Bedenken vorgetragen wurden“, wies etwa jüngst die Gemeinde Feldkirchen im Landkreis Straubing-Bogen  die Erfordernis einer flächenschonenderen Bauweise einschliesslich einer ausreichenden ÖPNV-Erschliessung pauschal zurück. Da wird die Nichtbemängelung von Fehlentwicklungen durch eine höhere Behörde zur Rechtfertigung herangezogen. Auf Bundesebene Gesetze mit reinen „Soll-Vorschriften zu Umweltbelangen, auf Landesebene nur danebenliegende Erklärungsversuche, auf kommunaler Ebene gerät der Vollzug so leicht ausser Kontrolle. Ergebnis ist der anhaltende Flächenfraß. Kein Wunder, wenn von den Zuständigen niemand in den konkreten Fällen einschreitet, sondern alle Profitierer von Billig-Lösungen schalten und walten lässt. Das entspricht weder dem Verursacherprinzip, noch der Kostengerechtigkeit im Hinblick auf die langfristigen Schäden von zu viel Versiegelung.

Bund Naturschutz Kreisgruppe Straubing-Bogen

Johann Meindorfer,

2. Kreisvorsitzender