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Meinungsaustausch zwischen BN und TFZ zu Bio-Energie

Energiesparen und höhere Energieeffizienz haben allerhöchste Priorität – Restenergiebedarf ökologieverträglich decken

TFZ: „Bioethanol in E 10 übertrifft in der Regel die Vorgaben der EU-Richtlinie der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung, spart Treibhausgase gegenüber dem reinen Mineralölkraftstoff ein“

Elektromobile im Strassenverkehr nur verantwortbar bei niedrigerem Geschwindigkeits- und höherem Sicherheitsniveau, Leichtbauweise, höchstmöglicher Energieeffizienz und Strom aus erneuerbaren Energien bei Vorrang von Rad, Bus und Bahn

Dass Energiesparen und höhere Energieeffizienz allerhöchste Priorität haben müssen bei der zukünftigen Energieversorgung und Energiepolitik, darüber herrschte Einigkeit bei einem Wissens- und Meinungsaustausch zwischen Vertretern der Kreisvorstandes des Bund Naturschutz (BN) und des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe Straubing. Auslöser des Gesprächs war die Befürchtung der Umweltschützer, bei dem zur Beimischung in den neuen Kraftstoff E 10 erzeugten Agrosprit sei nicht klar, ob er aus ökologischer Sicht positiv zu bewerten wäre und einen Beitrag zum Klimaschutz leiste, wenn er mit hohem Energieeinsatz und auf Kosten natürlicher CO2-Speicher, wie sie tropische Regenwälder darstellen, produziert werde. Da seit 1.1.2011 die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung in Kraft getreten ist, ist von Gesetzgeberseite her garantiert, dass mit der Verwendung von E10 aktiver Klimaschutz betrieben werden kann und Rohstoffe für die Ethanolerzeugung nicht auf Regenwald- oder sonstigen schützenswerten Flächen angebaut werden darf. Dass es keine „allgemeingültige“ Ökobilanz der Nutzung nachwachsender Rohstoffe gibt, erklärte der Leiter des TFZ, Dr. Bernhard Widmann, damit, dass es wohl ein Lebenswerk eines Wissenschaftlers beanspruche, die ganzen einzukalkulierenden Stoff- und Energieströme bei einer unüberschaubaren Vielzahl von Erzeugern, Verarbeitern und Transporteuren mit unterschiedlichsten Bearbeitungsmethoden und –schritten zu jedwedem Pfad zu erheben und zu bewerten. Die wiederholt erhobene Forderung des BN zur Ökobilanzierung nachwachsender Rohstoffe sehe man aber als berechtigt an und baue derzeit eine Arbeitsgruppe mit diesem Aufgabenschwerpunkt auf. Dr. Edgar Remmele, Leiter des Sachgebiets Biogene Kraft-, Schmier- und Verfahrensstoffe am TFZ wies darauf hin, dass  Agrokraftstoffe auch je nach Produkt differenziert zu bewerten seien. Kenntnisstand und Überzeugung der Fachleute am TFZ sei jedenfalls, dass der Kraftstoff E 10 gegenüber dem reinen Mineralölkraftstoff nachgewiesene Vorteile bezüglich der Einsparung von Treibhausgasen aufweise und die Vorgaben der EU-Richtlinie hierfür und der nationale Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung sogar übertreffe, auch wenn man einen geringfügigen Mehrverbrauch gegenüber reinem Mineralölkraftstoff berücksichtige. Zum Schutz der tropischen Regenwälder halte man es für erforderlich, den jeweiligen Ländern deren eigenen Wert zu verdeutlichen, da diese wertvolle Kohlenstoffspeicher darstellen und noch weitgehend unerforschte Paradiese der Artenvielfalt seien und daher etwa für pharmazeutische und andere Zwecke möglicherweise wertvollste Reservoire darstellten. Die weltweite Konkurrenz um deren (Über-)Nutzung sei mit dem Auftreten von Ländern wie China als „Einkaufer“ grosser Landstriche als Rohstoffquellen erschreckend, der Ausverkauf der tropischen Regenwälder werde aber laut TFZ- Vertretern nicht durch die Importe von Energiepflanzen nach Europa bestimmt. Hier wie bei der Bewertung, dass die heimische Intensiv- Landwirtschaft mit entsprechendem Energie-, Pestizid- und Düngereinsatz für keine ökologisch verträgliche  Energiererzeugung stehen könne, differierten die Auffassungen.

Die Nutzung von landwirtschaftlich genutzter Fläche im Gäuboden durch Freiland-Photovoltaikanlagen hielt die Leiterin des Sachgebiets Rohstoffpflanzen und Stoffflüsse Energiepflanzenbau, Dr. Maendy Fritz, wegen der hohen Bonität der Böden für nicht sinnvoll, hierzu sollten eher Grenzertragsflächen und schon durch Störstrukturen beeinträchtige Flächen verwendet werden und natürlich vorrangig Dachflächen. Auch wenn man seitens des BN ebenso seit langem die vorrangigen Nutzung von Dachflächen fordert, erklärte und verteidigte dessen 2. Kreisvorsitzender Johann Meindorfer die Unterstützung von Freiland-Photovoltaikanlagen auch im Gäuboden im Bereich Alburg-Harthof in der Stadt Straubing. Dort würde die Umsetzung des geplanten – und aus gesamtökologischer Sicht begrüssenswerten und daher zustimmungsfähigen - Bebauungs- und Grünordnungsplan der Stadt Straubing eine ausgewogene Entwicklung der Nutzung umweltverträglicher erneuerbarer Energien einerseits sowie einer in einschlägigen Regelwerken vorgesehenen ökologischen Aufwertung der ausgeräumten Agrarlandschaft des Gäubodens andererseits ermöglicht. Damit könnten auch die Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms (LEP) „Dauerhafte Sicherung und – wo möglich – Wiederherstellung der Naturgüter Boden … Pflanzen- und Tierwelt“, „Sicherung von Lebens- und Teillebensräumen wild lebender Pflanzen und Tiere, Weiterentwicklung zu Biotopverbundsystemen“ sowie des Regionalplanes „Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten, insbesondere südlich der Donau“, „ Bewahrung der natürlichen Faktoren Luft, Boden, Wasser, Tier- und Pflanzenwelt vor schädlichen Einflüssen und Belastungen“ und des bestehenden Flächennutzungs- und Landschaftsplanes zur Aufwertung des Gebietes mit verwirklicht werden. Dabei sei aus energiepolitischer und landwirtschaftlicher Sicht die weitaus bessere und anerkanntermassen um ein Mehrfaches höhere Energieausbeute/-effizienz der Photovoltaik-Freilandnutzung gegenüber der bei Agrartreibstoff-Produktion möglichen Energieausbeute/-effizienz aus den Ackerflächen zu berücksichtigen. Noch dazu wären bei intensiv landwirtschaftlicher Biotreibstoff-Produktion weitere dauerhafte Einträge von Chemikalien (Pestizide, Dünger) in Boden und Grundwasser zu befürchten, die bei Photovoltaik-Nutzung entfallen würden, sodass diese zur einer Phase der Regeneration von Boden und Grundwasser wie auch der Artenvielfalt  führen würde. Der rückstandslos mögliche Abbau der Anlagen nach einigen Jahrzehnten Betriebsdauer und die dann uneingeschränkt wieder aufnehmbare landwirtschaftliche Nutzung der Böden mache die Stromerzeugung mittels Freiland-Photovoltaikanlagen zu einer vertretbaren und förderungswürdigen Brückentechnologie, resümierte Meindorfer, worauf  Dr. Widmann auch für diese BN-Position Verständnis äusserte. Einig war man sich, dass  übermäßiger Fleisch- und Energiehunger nicht zuletzt im Sinne der kommenden Generationen zum Schutz der Regenwälder und des Weltklimas gesenkt werden müsse. Dabei müsse der Verkehrssektor einen gewichtigen Beitrag zum sparsamen Einsatz von Energie leisten. Muskelkraft, also die Fortbewegung zu Fuss oder mit dem Fahrrad solle nicht durch Motorkraft ersetzt werden, die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel Füsse, Fahrrad, Bus und Bahn müssten durch höhere Investitionsmittel für ihren  Ausbau gefördert und vorrangig genutzt werden. Der motorisierte Individualverkehr sei vorrangig auf die klimaschonenderen und  energieeffizienteren Verkehrsträger Füsse, Fahrrad, Bus und Bahn verlagert werden. Für den dann noch verbleibenden notwendigen  motorisierten Individualverkehr seien ambitionierte Vorgaben für Energieverbrauch und Schadstoffausstoss nötig. Gewarnt wurde, als Lösung für die Verkehrsprobleme allein auf Elektromobile zu setzen. Diese könnten auf längere Sicht nur bei konsequenten Leichtbaukonzepten und Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien einen sinnvollen Beitrag dazu leisten, wobei Dr. Remmele betonte, dass allein der für Herstellung und Entsorgung der bisher kapazitätsmässig ohne hin noch nicht ausreichend leistungsfähigen Batterien nötige Energieeinsatz äusserst belastend zu Buche schlage. Entscheidend bleibe der Einsatz energieeffizientester Fahrzeugtechnik in Leichtbauweise und die ergänzende und nicht konkurrenzierende Funktion des bestehenden Bahn– und ÖPNV-Systems sowie des Fahrradverkehrs. (Widmann: „nicht Muskelkraft durch E-Bikes ersetzen!“). Leichtbauweise und geforderte höchstmögliche Energieeffizienz vertrügen sich aber nicht mit dem gerade auf Fernstrassen vorherrschenden Geschwindigkeitsniveau und den dort verkehrenden „Übergewichtigen“, wie Widmann übermotorisierte und schwere KfZ kategorisierte. Damit Elektromobile verantwortbar im Strassenverkehr eingesetzt werden könnten, müsse das Geschwindigkeitsniveau dort gesenkt und das Sicherheitsniveau erhöht werden, so die übereinstimmende Überzeugung der Teilnehmer. Nachdem die BN-Kreisvorstandsmitglieder Gisela und Volker Diergardt aus eigener Erfahrung bedauerten, dass regionalen Rapsölproduzenten durch verfehlte Förderpolitik der Garaus gemacht wurde, teilte Dr. Remmele dieses Bedauern und ermunterte dazu, Nischenmärkte wie landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge mit Rapsölkraftstoff zu betreiben.

 

Mit freundlichen Grüssen

Johann Meindorfer