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BN wendet sich gegen nochmalige Erweiterung der Legehennen-Intensivhaltung in Niederharthausen

Gegen die geplante massive Erweiterung der Legehennen/Geflügel-Intensivhaltung von 423000 auf 743000 Tiere der Bayern-Ei GmbH & Co KG in Niederharthausen, Gemeinde Aiterhofen, wendet sich der Bund Naturschutz (BN) in einer Stellungnahme an Gemeinde und Landratsamt Straubing-Bogen. Aus dem Immissionsschutzgutachten erschliesse sich dabei die Zahl der weiteren 320000 Plätze für die Individuen, die hier auf engem Raum ihr Legehennendasein fristen sollen, was laut zweitem BN-Kreisvorsitzenden Johann Meindorfer als Negativentwicklung in der Gemeinde Aiterhofen zu werten wäre.

Die nochmalige Erweiterung einer Geflügel-Intensivhaltung würde eine weitere Konzentration der tierungerechten Haltung von Geflügel mit den aus diversen Dokumentationen* bekannten unhaltbaren Zuständen bedeuten. Eine wesensgemässe Haltung, Versorgung und (auch tierärztliche) Betreuung der enormen Zahl an Individuen könne nicht stattfinden. Praktiken beim "Ausstallen" durch Hineinstopfen der Lebewesen und Mitgeschöpfe in Transportkäfige und Transporte des später aus den Legehennen werdenden Schlachtgeflügels zu den Schlachtbetrieben, bei denen ebenfalls eine extreme Konzentration stattgefunden hat, seien ethisch nicht vertretbar.

Es fehle zudem ein tierärztliches Betreuungs- und Versorgungskonzept mit veterinär-gutachterlicher Stellungnahme und Angaben über Herkunft der Futterbestandteile sowie stattfindendem Einsatz von Antibiotika bei der Fütterung. Auch vermisse man, eine Vorgabe für die Vorgehensweisen beim "Ausstallen" und die Transporte zu den Schlachtbetrieben. Mit einer humanmedizinich-gutachterlichen Stellungnahme müssten die Auswirkungen auf Boden und Grundwasser sowie menschliche Gesundheit im Hinblick auf eine inzwischen bekannte Vielzahl von diesbezüglichen Missständen in der
Intensivtierhaltung und der dadurch ausgelösten Verbreitung (multi-)resistenter Keime dargelegt werden. Nachdem die Verunreinigung von Boden, Grund- und Trinkwasser auch in Folge von Überdüngung im Gäuboden und auch im Gemeindebereich Aiterhofen immer wieder die Schaffung neuer Tiefbrunnen erfordert, verbiete sich auch die Ausbringung zusätzlicher Exkremente in Form von Mist aus einer weiteren nicht
boden-/flächengebundenen Tierhaltung

Die Bayern Ei GmbH & Co.KG sollte statt einer nochmaligen Ausweitung des Massentierhaltungsbestandes am Standort Niederharthausen vielmehr dazu angehalten werden, die im Industrie-Branchen-Jargon so bezeichnete "Produktion", also den Tierbestand der bestehenden Anlage zumindest auf Bodenhaltung umzustellen, und bereits jetzt Eier dieser Produktionsrichtung am Markt anzubieten und die sogenannte "Kleingruppenhaltung" einzustellen. Auch bei Bodenhaltung müssten jedoch die og. unhaltbaren Zustände fehlender tierärztliche Versorgung und Betreuung der einzelnen Individuen (!) sichergestellt, und die bisherigen brutalen Praktiken beim "Ausstallen" abgestellt werden.

Die Notwendigkeiten zur Gefahrenabwehr und Schadensvermeidung sowie der Umsetzung des Vorsorge- und des Verursacherprinzips wurden durch die jüngste Hochwasserkatastrophe verböten jegliche Neubebauung in einem Überschwemmungsgebiet, welches im vorliegenden Fall mit Einstauhöhen bis zu 90 cm über FOK Gelände bebaut werden soll. Auch eine vorgesehene Aufständerung der Gebäude auf Pfähle sei nicht akzeptabel, weil dabei im Falle eines Überschwemmungsereignisses keinerlei Versorgung des Tierbestandes und keinerlei Entsorgung der Exkremente sowie von in Geflügel-Intensivhaltungen immer wieder anfallenden Tierkadavern mehr möglich wäre. "Eine Bebauung einer als Überschwemmungsgebiet bekannten Fläche widerspricht daher tierschutz- und tierschutzrechtlichen sowie hygiene- und gesundheitsfachlichen und -rechtlichen Erfordernissen, weil ein Betrieb, der diesen Normen entspricht für den Fall eines solchen Ereignisses nicht sichergestellt werden kann und dies schon von vornherein in Kauf genommen wird, " so Meindorfer. "Im übrigen gibt es schon mehr als genug Kadaver-Boxen im Landkreis".

Die Aussage im Immissionsschutzgutachten "Für die bestehenden Wohnbebauungen im Aussenbereich sowie in der Ortslage von Niederharthausen sind keine unzulässigen Geruchswahrnehmungen zu erwarten" sei stark zu bezweifeln daher, denn es sind nach Meldungen von Anwohnern bereits einige Beschwerden wegen unzumutbarer Immissionsbelastung aus der schon bestehenden Legehennen/Geflügel-Intensivhaltung von 423000 Tieren bei der Gemeinde Aiterhofen vorgetragen worden. Eine Genehmigung des Vorhabens müsse somit als unzulässig angesehen werden und jegliche Erweiterung einer Geflügel-Intensivhaltung sei daher abzulehnen.

Die Gemeinde Aiterhofen stehe mit der Entscheidung für oder gegen die Ausweisung des Sondergebietes in im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung in der primären Verantwortung über eine weitere potentielle Fehlentwicklung zu befinden, ohne dass sie in irgendeiner Form gesetzlich zur Aufstellung des Bebauungs- und Grünordnungsplan " SO Geflügelhaltung Niederharthausen" verpflichtet wäre.

Die Gemeinde Aiterhofen würde bei Verwirklichung des Vorhabens im übrigen auch in den Ruf geraten, eine Entwicklung zu einem konzentrierten Massentierhaltungs-Standort nicht nur nicht zu verhindern, sondern sogar noch aktiv zu fördern und dabei private betriebswirtschaftliche Interessen eines Geflügelkonzerns über Belange des Tier- und des Allgemeinwohls, des Anstands gegenüber Mitgeschöpfen und eines ethisch vertretbaren Lebensstils zu stellen.

Die Geflügel-Intensivhaltung sowohl in der vorhandenen wie auch in der geplanten Grössenordnung widerspricht dem zu fordernden Leitbild einer tier-, klima-, umwelt- und tiergerechten Wirtschaftsweise, in der landwirtschaftlichen Produktion. Generell sei dazu eine Wirtschaftsweise nach den Kriterien des Öko-Landbaus zur Förderung des ökologischen Landbaus als gesundheits- und umweltverträglichster Form der Landwirtschaft erforderlich. Tier- und Klimaschutz beginnt für den BN am Teller, was bedeute: "weniger Fleisch, keine Eier aus Massentierhaltung, dafür mehr Qualität durch Bioerzeugnisse".

Mit freundlichen Grüssen

Johann Meindorfer

2. Kreisvorsitzender