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IHKs, Gewerbe und Industrie müssen auch selbst zu Lösungen beitragen

Es genügt nicht, dass IHKs, Gewerbe und Industrie Lösungen in Sachen Energiewende fordern. Sie müssen zuvorderst in ihren eigenen Wirkungskreisen mit ansehnlichen Beiträgen zum Energiesparen und zur Erhöhung der Energieeffizienz beitragen. Das hat nämlich allerhöchste Priorität und dann ist der verbleibende Restenergiebedarf so ökologieverträglich wie möglich zu decken !

Dabei gilt es auch oftmals vermeintlich als marginal betrachtete „versteckte“ grosse Energiesparpotentiale zu heben, die bisher nicht annähernd ausgeschöpft sind. Das betrifft etwa die Umstellung von Primärfaserpapieren, die mit erheblichen Umweltbelastungen u.a. durch deren hohen Energieaufwand für die Gewinnung aus Zellstoff verbunden sind, auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier. Denn für umweltverträgliches Recyclingpapier  wird weniger  als zwei Drittel an Energie und nur ein Sechstel an Frischwasser benötigt als für die umweltbelastenden Frischfaserpapiere, auch für die sogenannten „chlorfrei gebleichten“ Papiere mit Bezeichnungen wie „chlorfrei gebleicht“, „aus forstwirtschaftlich kontrolliertem Anbau“ und Siegeln wie „FSC“, „PEFC“. Papiere, die alleine diese Bezeichnungen tragen, sind aus Primärfasern, also Frischholz bzw. dem daraus unter hohem Energieaufwand gewonnenen Zellstoff hergestellt.

Die Einsatzquote von Recyclingpapier gerade im grafischen Bereich ist technisch noch stark steigerungsfähig. Welchen Beitrag die Verwendung von Recyclingpapier zur Energiewende beitragen kann, mag man am Energie-Einsatzpotential bei der Erhöhung der Altpapier-Einsatzquote um 10 Prozentpunkte erkennen, das in Deutschland bei der Stromerzeugung von ca. zwei AKWs liegt. Doch ein Viertel des Altpapiers ging etwa 2011 aus Deutschland in den Export, 3,6 Mio. Tonnen, während fast die gleiche Menge frischer Zellstoff importiert wurde. Deren weite energieintensive Transportwege teils um die halbe Erdkugel wiederum verursachen Unmengen an Energieverbrauch und klimaschädlichem Schadstoffausstoss und schlagen sich belastend auf die Ökobilanz nieder.

Die IHKs sowie alle anderen Anstalten und Körperschaften des öffentlichen Rechts wie die gesamte öffentliche Hand sind ohnehin zur umfassend vorbildlich ökologieverträglichen Beschaffung verpflichtet, wozu auch die Verwendung von Recyclingpapier statt Frischzellstoffpapier gehört. In Ausübung der bisher fehlenden Vorbildwirkung müssten sie dies auch bei ihren Mitgliedsunternehmen in die Wege leiten. Die Bandbreite energieeffizienter Beschaffung umfasst natürlich noch einiges mehr – etwa Produkte aus Recyclingkunststoff statt erdölbasierten Neu-Kunststoffen, Heimische Holzprodukte an Stelle von energieaufwendigeren Werkstoffen wie Stahl, Nichteisenmetalle oder Kunststoffen, Beschaffung nur der energiesparendsten, -effizientesten und umweltverträglichsten IT-Komponenten ... – und muss einhergehen mit einem energiesparenden Anlagen-, Gebäude- und Mobilitätsmanagement

Bei der nötigen Energie- und Verkehrswende genügt im übrigen nicht das bloße Austauschen eines Energieträgers gegen einen anderen. Vorrangig ist vielmehr die Abrüstung der oft übermotorisierten hoch steuerprivilegierten Dienstwagenflotten mit Austausch von spritschluckenden Gross-Karossen gegen die sparsamsten und energieeffizientesten auf dem Markt angebotenen Fahrzeuge.

Es wird sich dann zeigen, dass für eine umsichtig und verantwortungsvoll mit Energie umgehende Gesellschaft alles zusammen möglich ist: Atomausstieg, Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Den Willen des Wirtschafts- und Politikpersonals zu einer nachhaltig ökologischen Ausrichtung der Gesellschaft in allen Politikfeldern vorausgesetzt.

Zu einer Gesellschaft, in der sich energiesparendes klima- und umweltfreundliches Verhalten aller rentiert und nicht das Verprassen von Ressourcen, muss der Staat die „Wirtschaftssubjekte“ steuern mit einer gerechten ökologisch-sozialen Steuerreform, die eben schonenden Umgang mit der Mitwelt auch finanziell fördert, das Abaasen derselbigen aber flankierend zu nötigen ordnungspolitischen Vorgaben verhindert oder zumindest vermindert. In die Zukunft gerichtet ist die Wende hin zu einem verantwortbaren Umgang mit der Umwelt auch in Form der Zähmung des bisher ungezügelten Konsum- und Energiehungers anzugehen, auch seitens „der Wirtschaft“.

Bund Naturschutz Landesarbeitskreis Abfall / Kreislaufwirtschaft

Johann Meindorfer