Lust auf mehr Vielfalt im Garten

Bund Naturschutz besucht zertifizierten Naturgarten
„Gärten sind wichtige Lebensräume, nicht nur für uns Menschen, sondern für Vögel, Insekten, Amphibien und viele mehr“, so eröffnete der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Andreas Molz den öffentlichen Besuch im zertifizierten Naturgarten von Angela und Albert Ramsauer in Geiselhöring. Gerade in Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Entfremdung der Menschen von Natur und ihren Abläufen, sei es wichtiger denn je die Zusammenhänge zu erklären und Anleitung zu geben, wie jeder von uns etwas tun kann, um Gärten wieder lebendiger zu machen, so Molz.
Das war das Stichwort für Angela Ramsauer, die beim Rundgang zahlreiche Tipps und Beispiele geben und zeigen konnte. Bereits im überreich blühenden Vorgarten wurde deutlich, dass das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel ganzjährig vorhanden sein kann und muss. Dabei sind Stauden und Sträucher mit ungefüllten Blüten und Blühflächen wichtig, die auch Pollen und Nektar bieten, mit Kirschlorbeer und Rollrasen ist das nicht zu erreichen. „Die allseits beliebte Forsythie ist vollkommen wertlos“, so die Gartenbesitzerin, „sie ist steril und bietet keinerlei Nahrung für die Insekten, stattdessen lieber eine Kornelkirsche pflanzen“.
Wichtiger denn je sind die Themen Schatten und Wasser, deshalb wurde begonnen im Südbereich des Gartens mehr Bäume zu pflanzen, die gleichzeitig auch den Tieren nützen, so z. B. einen Honig- bzw. Bienenbaum, eine Eschenart aus dem mediterranen Raum, die resistent gegen das Eschentriebsterben ist und erst im Juli blüht, und so den Bienen genügend Tracht für den Wintervorrat bietet. Statt eines monotonen Doppelstab-zaunes mit Plastikstreifen liefert hier eine Ligusterhecke wertvollen Wind- und Lärmschutz und Vielfalt am laufenden Meter. Ihre Blüten und Früchte sind Nahrung und die Besucher nahmen gern ihren Schatten in Anspruch.
Beim Wassermanagement setzen die Ramsauers auf Zisterne und Regentonnen, und vor allem auf Blühstauden, die nicht gegossen werden müssen. So wurde z. B. auch ein Sandbeet angelegt, welches absolut pflegeleicht ist, da sich mangels Nährstoffen kein Unkraut ansiedelt und die gepflanzten Stauden trockenresistent sind und tiefwurzeln. Wassergaben erhalten in extremen Trockenzeiten nur der Gemüse- und Obstgarten. Zahlreiche kleine Wasserstellen und -schalen dienen den Insekten und Vögeln als Trink- und Badeplatz, denn sie sind wichtige Helfer im ökologisch bewirtschafteten Naturgarten.


„Je strukturreicher ein Garten angelegt bzw. umgestaltet wird, desto wertvoller wird er für die kriechenden, krabbelnden, schwimmenden und fliegenden Mitbewohner“, betonte Albert Ramsauer, der sämtliche Nistkästen und Insektenwohnungen im Garten selbst gebaut hat. Die alten Obstbäume, die längst nicht mehr tragen, wurden nicht entfernt, sondern dürfen in Ruhe zerfallen, ihr Totholz liefert wertvolle Dienste für Holzinsekten. So konnten die zahlreichen Besucher an einem Stamm das exakt ausgeführte Bohrloch der schwarz-blauen Holzbiene bewundern, die bis zu 30 cm lange Brutröhren senkrecht in den Stamm arbeitet, mit seitlich angelegten Brutkammern. Diese waren ebenfalls sichtbar, da der Buntspecht das Brutversteck entdeckt hatte und den Stamm großflächig aufgehackt hatte.
Auch beim Rasen sind die Ramsauers sich einig: eine pflegeintensive Monokultur, die gedüngt, beregnet, ständig gemäht und vertikultiert werden muss, ist im Naturgarten unpassend. Hier dürfen viele Wildblumen wachsen, vom Klee über Günsel und Margariten bis zu verschiedenen Gräsern. Experimentierflächen mit selbst gesammeltem Saatgut zeigen den Erfolg. Und der „Kiesgarten“ hat nichts mit den grauenhaften Schottergärten gemein, hier summt und brummt es und Johanniskraut, Wiesensalbei und Edeldisteln zeigen ihre ganz eigene Schönheit.
Kreisvorsitzender Andreas Molz brachte es abschließend auf den Punkt: “Wir brauchen genau diese Artenvielfalt, weil diese Lebensgemeinschaften unsere Lebens- und Nahrungsgrundlagen sichern. Denn: ohne Insekten keine Blüten, ohne Blüten keine Früchte.“
Text: Angela Ramsauer
Fotos: Elisabeth Westenhuber







