Der Biber als Ökosystem-Manager
BN-Exkursion in einen idealen Biberlebensraum
Viele Naturinteressierte folgten am Sonntag 17.05.2026 der Einladung der BN-Kreisgruppe Straubing-Bogen zu einer Exkursion zu den Pichlberger Weihern bei Wiesenfelden.
Andreas Molz berichtete über die Entwicklung dieses herausragenden Naturschutzgebietes. Nachdem Hubert Weinzierl in den 1970er Jahren viele Flächen in der nördlich des Landkreises gelegenen Gemeinde Wiesenfelden für den Bund Naturschutz erwarb, unter anderem auch die Pichlberger Weiher, wurden sie aus der intensiven Nutzung genommen, die Teichwirtschaft aufgegeben und naturschutzfachlich gepflegt.
Einst bestanden drei Weiher mit jeweils einem Damm und einem Mönch. Als vor einigen Jahren die Ablassbauwerke marode und die Dämme undicht wurden, fielen die südlichen beiden Weiher fast trocken. Zahlreiche Versuche die Dämme wieder instand zu setzen, sie abzudichten und die Teiche wieder zu befüllen scheiterten…bis der Biber kam…
In kurzer Zeit konnte der Biber die Dämme wieder abdichten und nicht nur für seine Lebensraumansprüche umgestalten, sondern auch für zahlreiche andere ans Wasser gebundene Arten wieder herstellen.
Andreas Molz und Tobias Westenhuber führten durch diesen abwechslungsreichen, vielfältigen Lebensraum der ca. 11 ha groß ist und sich durch die Tätigkeit des Bibers stetig verändert, eine Dynamik, auf die zahlreiche Arten spezialisiert oder sogar angewiesen sind.
Andreas Molz erläuterte die Lebensweise des größten Nagetiers Europas, dessen landschaftsarchitektonischen Fähigkeiten die Nischen für Arten schafft, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft kein Habitat mehr finden.
Der Europäische Biber (Castor fiber) ist nicht nur das größte Nagetier Europas, er ist auch der beste „natürliche“ Ökosystem-Manager: Wo immer er lebt und anpackt, nimmt die Artenvielfalt sprunghaft zu. So zählen Biberreviere zu den artenreichsten Biotopen im Freistaat. Wie keine zweite Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst. Eindrucksvoll sind seine stattlichen Biberburgen, in denen er mit seiner Familie lebt. Manchmal bezieht er auch selbstgegrabene Röhren im Uferbereich. Mit kunstvoll erbauten Dämmen staut er das Wasser schließlich so auf, dass die Eingänge seiner Wohnbauten stets unter Wasser liegen. Davon profitieren zahlreiche Arten, die ihren Lebensraum in den durch den Biber renaturierten Auen finden. Doch weiterhin wird dem Biber stellenweise das Leben unnötig erschwert. Doch hier in Pichlberg darf er bleiben.
Er hat zwar einige große, ältere Bäume gefällt, die ihm nicht nur zur Nahrung oder als Dammbaumaterial dienen, sondern als liegendes Totholz Lebensraum für zahlreiche Insekten besonders wertvoll ist. Andere ältere Bäume wurden mit Drahtgittern vor dem Verbiss geschützt. Durch Dammbauten und somit Umleitung und Aufstauung des Baches entstanden kleine Inseln oder wurden Bereiche überschwemmt, wodurch z.B. Fichten abstarben, jedoch als stehendes Totholz als perfekte Höhlenbäume nicht nur für Spechte dienen. Eisvögel nutzen quer über den Bach liegende Bäume als Ansitz zur Jagd auf kleine Fischchen.
Der Schilfbereich ist ideale Brutstätte für verschiedene Rohrsängerarten, und auch der Kuckuck, der diese Nester parasitiert, ist in diesem Lebensraum präsent. Unterschiedlichste Entenarten oder das Teichhuhn finden im Schilf gut geschützte Brutplätze und Graureiher gehen in flachen Gewässerzonen auf Jagd.
Durch die Dammbauten entstehen unterschiedliche Gewässerstrukturen, die mal schneller fließend, mal stehend, tiefer oder flacher den unterschiedlichen Bedürfnissen der Amphibien entsprechen. Erdkröten und Teichfrösche finden in den Weihern gute Laichbedingungen.

Die heimischen Teichmuscheln haben hier ihr zu Hause. Tobias Westenhuber erläutert die Unterscheidungsmerkmale zwischen kleiner Teichmuschel (Anodonta anatina) und großer Teichmuschel (Anodonta cygnea)
Libellen wie die frühe Adonisjungfer (Pyrrhosoma nymphula) konnten beobachtet werden. Auch ein Waldbaumläufer wurde während der Exkursion gesichtet.

Die angrenzenden Feucht- und Naßwiesen, welche vom Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen abschnittsweise und mosaikartig gemäht werden, zeigten sich im Frühjahrsaspekt. Unter anderem fand sich die Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum), der Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta), der Scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris), das Sumpfvergissmeinnicht (Myosotis palustris), der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) um nur einige zu nennen.
Die Exkursion führte am Rand dieses vielfältigen Lebensraums entlang, der sich durch die Tätigkeit des Bibers stetig verändert, eine Dynamik, auf die einige seltene Arten angewiesen sind. Wie keine zweite Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst, wenn er genügend Platz dafür hat, wie hier in Pichlberg eindrucksvoll zu sehen ist. Er halte auch das Wasser in der Landschaft zurück, was sowohl bei Überschwemmungen wie auch bei Trockenheit sehr wertvoll sei, sagte Andreas Molz.
Die Pichlberger Weiher gehören zum Naturschutzgebiet Weiherlandschaft bei Wiesenfelden und zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) und sind somit auch durch EU-Gesetze geschützt.
Doch all das ist in akuter Gefahr: Einflussreiche Akteure aus Wirtschaft und Politik bereiten seit Monaten einen drastischen Abbau zahlreicher Natur- und Umweltschutzgesetze vor. Entsprechende „Omnibusse“, so heißen die Sammelgesetze auf EU-Ebene, werden gerade aus mehreren Ländern vorangetrieben – ganz vorne mit dabei sind Deutschland und nicht zuletzt Bayern. Was als „Entbürokratisierung“ und „Vereinfachung“ verkauft wird, bedeutet in Wirklichkeit einfach nur weniger Regeln – zur Freude von Konzernen und auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Gemeinwohl.
Gerne beteiligten sich auch die Besucher der Exkursion bei der BN-Aktion „Hands off nature“, um auf die „neue“ Gefährdung von wertvollen Gebieten aufmerksam zu machen.








