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Wassersparen in grossem Stil durch Umstellung des Papierbedarfes auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier möglich

BUND Naturschutz stellt Anforderungen eines umwelt- und klimaverträglichen Beschaffungswesens in kommunalen Einrichtungen zusammen

Wassersparen in grossem Stil durch Umstellung des Papierbedarfes auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier möglich

Die wichtigsten Anforderungen eines umwelt- und klimaverträglichen Beschaffungswesens in kommunalen Einrichtungen stellt der BUND Naturschutz zusammen:

Die Herstellung von Recyclingpapier aus 100 % Altpapier spart gegenüber Primärfaserpapier spart im Schnitt 68 Prozent Energie, bis zu 78 Prozent Wasser und bis zu 87 Prozent Abwasserbelastung und mindestens 15-42 % CO2. 

Da schlummern unzählige Wasser-, Ressourcen- und Energieeinsparmöglichkeiten, die selbst bei höchst relevanten Papiergrossverbrauchern noch nicht ausreichend bekannt und ins Bewusstsein eingeflossen sind.

Die Erfüllung der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand in Sachen umweltfreundlicher fairer und Beschaffung zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen als Voraussetzung für Lebensqualität für alle erfordert das Tätigwerden in folgenden Bereichen:

Umfassende Umstellung des Papierbedarfs auf umweltverträgliches Recyclingpapier

Die Verwendung von Recyclingpapier aus 100% Altpapier leistet einen gewichtigen Beitrag zum Einsparen von Energie und Frischwasser. Wie die Ökobilanzierung des Umweltbundesamtes ergeben hat, ist Recyclingpapier aus 100% Altpapier mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ die umweltverträglichste Papiervariante. 

Die Herstellung von Recyclingpapier aus 100 % Altpapier spart gegenüber Primärfaserpapier spart im Schnitt 68 Prozent Energie, bis zu 78 Prozent Wasser und bis zu 87 Prozent Abwasserbelastung und mindestens 15-42 % CO2. 

Dagegen sind Primärfaserpapiere mit erheblich höheren Umweltbelastungen verbunden, auch die sogenannten „chlorfrei gebleichten“ Papiere mit Bezeichnungen wie „chlorfrei gebleicht“, „aus forstwirtschaftlich kontrolliertem Anbau“ und Siegeln wie „FSC“, „PEFC“, Papiere, die alleine diese Bezeichnungen tragen, sind aus Primärfasern, also Frischholz bzw. dem darauf unter hohem Energieaufwand gewonnenen Zellstoff hergestellt.

Zwar werden Teile der importierten Primärfaser-Rohstoffe Holz und Zellstoff inzwischen nicht mehr durch direkte Rodung von Urwäldern gewonnen, aber für ihre Gewinnung in intensiv bewirtschafteten und ökologisch minderwertigen Holzplantagen wurden oftmals schon vorher wertvollste Lebensräume zerstört, ob in tropischen oder borealen Regenwäldern. Ähnliches trifft sogar auf Holz für Papiere zu, die sich mit dem „FSC“-Siegel für angeblich naturnahe Waldbewirtschaftung schmücken. Und entscheidend für den hohen Wasser- und Energieverbrauch ist bei der Papierproduktion der Prozess der Zellstoffherstellung, unabhängig von der Herkunft der Hölzer, ob aus natürlichen oder naturnahen Wäldern, forstlichen Monokulturen oder den inzwischen sehr verbreiteten und oft auch mit hohem Pestizideinsatz belasteten Holzplantagen. Dadurch sind Primärfaserpapiere immer mit deutlich höheren Umweltbelastungen verbunden und weisen eine weitaus schlechtere Ökobilanz auf als Recyclingpapier aus 100% Altpapier. Zum anderen schlagen sich weite energieintensive Transportwege der aus entfernten Erdteilen importierten Rohstoffe Holz und Zellstoff belastend auf die Ökobilanz nieder.

Beschaffung nur der energiesparendsten, -effizientesten und umweltverträglichsten IT-Komponenten

Die verschiedenen Komponenten der Informationstechnologie und der damit zusammenhängenden Bürotechnik verursachen bei Ihrer Herstellung, beim Betrieb und bei der Entsorgung in ihrer Gesamtheit inzwischen weitreichende Umweltbelastungen.

Allerdings können diese Umweltbelastungen durch eine gezielte vorausschauende und umweltfreundliche Beschaffungspolitik

minimiert werden, insbesondere durch entsprechende Vorgaben bei Ausschreibung und Vergabe von Aufträgen für IT-Komponenten. ausschliesslich der energiesparendsten, -effizientesten und umweltverträglichsten IT-Komponenten.

Zu den Standardvorgaben muss auch die zugesicherte Eignung und „offizielle“ Freigabe der zu beschaffenden Drucker, Faxgeräte und Kopierer für den Betrieb mit umweltverträglichem Recyclingpapier aus 100 % Altpapier sowie ein möglichst hoher Anteil an Recyclingkunststoffen bei diesen Geräten sowie bei Tastaturen, Mäusen, Druckerpatronen bzw. –kartuschen,

Plastik- / Kunststoffanwendungen im gesamten Umverpackungs- sowie im Non-Food-Bereich auf Recycling-Kunststoff umstellen

Plastikabfälle erweisen sich zunehmend als ein Umweltproblem: Neben der Nutzung fossiler Rohstoffe sowie des hohen Wasser- und Energieverbrauchs bei der Herstellung, stellt die nicht vorschriftsgemässe „Entsorgung“ von Plastiktüten eine weitreichende und langfristige Belastung dar. Plastiktüten landen in der Umwelt, sie machen einen großen Teil des Mülls an Straßenrändern und des Plastikmülls in den Meeren aus, und stellen so vor allem eine Gefahr für marine Ökosysteme und ihre Lebewesen dar. Der allgegenwärtige Plastikmüll, an Land wie im Meer, ist auch eine tödliche Gefahr für die Seevögel.

Im Hinblick auf die Ziele und Notwendigkeiten von Energiewende und Klimaschutz müssen neben dem generell höchstmöglichen Ausschöpfen gegebener Abfallvermeidungspotentiale von Grund auf bei Produktverpackungen dringend die Voraussetzungen für ein möglichst hochwertiges Kunststoff-Recycling geschaffen werden, die zu den Wiedereinsatz des dabei gewonnenen Recyclats für wiederum möglichst universell hochwertig verwendbare und gebrauchsfähige Artikel ermöglichen.

Nachdem die Problematik und Thematik von Abfallvermeidung sowie sortenrein getrennter Erfassung von Kunststoffabfällen auch weit über die Tragetaschen hinaus gerade als Voraussetzung für ein möglichst hochwertiges Kunststoff-Recycling, mit dem dann auch möglichst universell verwendbare und gebrauchsfähige Artikel hergestellt werden können, höchst bedeutsam ist, ist erforderlich, folgende übergreifenden gebotenen ökologischen Aspekte, Erfordernisse und Notwendigkeiten in die komplette Beschaffungsgestaltung Eingang finden zu lassen:

 

Die Kunststoffverpackungen müssten 
 

  1. auf das unabweisbar nötige Mass minimiert 

und 

2. möglichst nur recyclinggerechte Monomaterialien 

mit 

3. deutlicher Kennzeichnung / Angabe der verwendeten Material- bzw.     Kunststoffsorte entsprechend Anlage IV zu § 14 der Verpackungsverordnung anstatt von kaum stofflich verwertbaren Verbundmaterialien 

verwendet werden. 

Denn während bei der Zuführung von Kunststoffabfällen zu Müllverbrennungsanlagen, der beschönigend so genannten „thermischen Abfallverwertung“ nur ein Teil ihres Energieinhalts genutzt wird, lediglich der Brenn- oder Heizwert, kann beim Ersatz von „Neu-Produkten“ aus „Neu--Polymeren“ durch Produkte aus dem Recycling-Kunststoff ein Maximum an Herstellungsenergie (60 – 80% bei Recyclingpapier und Recycling-Kunststoff - so etwa 80% bei LD-PE) eingespart werden. Somit leistet das auf sortenreiner Erfassung basierende sortenreine Kunststoff-Recycling genauso wie das Papier-Recycling, sofern Recyclingpapier und Recycling-Kunststoff auch tatsächlich an Stelle von Primärrohstoffware verwendet werden, einen unverzichtbaren Beitrag zum Erreichen nicht nur der abfallwirtschaftlichen, sondern in geradezu herausragender Weise und Dimension ebenso der energie- und klimapolitischen Ziele und Erfordernisse. 

Dabei ist eine Umstellung auf sogenannte biologisch abbaubare „Ökoplastiktüten“ oder auch auf Einwegtüten aus Primärfaserpapier in keiner Weise empfehlenswert, wie auch das Umweltbundesamt bestätigt: „Umweltbundesamt hält Bio-Plastiktüten für nicht tragbar.  Auch Einwegtüten aus Papier schneiden in Ökobilanzen nicht besser ab als konventionelle Plastiktüten. Am besten für die Umwelt ist daher immer noch der wiederverwendbare Einkaufbeutel, der möglichst lange benutzt wird“.

Am ehesten, wo es wirklich keine eindeutig umweltverträglichere Lösung gibt, und nur soweit sich der Einsatz von Plastiktüten nicht vermeiden lässt, sind Plastiktragetaschen und -sonstige Verpackungen aus Recyclingmaterial sogenannten „Ökoplastiktüten“ vorzuziehen, wobei die Abgabe nur gegen Entgelt erfolgen sollte.

Ein reiner Austausch von Primärkunststoffen gegen Primärfaserpapiere stellt nach allen vorliegenden Erkenntnissen und Ergebnissen jüngsten Untersuchungen keine vorteilhafte Alternative dar; Folien und sonstige Kunststoffe mit 80 % bzw. mehr Recyclingmaterial sind demnach die überdeutlich beste Alternative.

Die ökologischen Vorteile von Recyclingkunststoffen gegenüber erdölbasierten Kunststoffen aus Primärmaterial, insbesondere durch Einsparung eines hohen Anteils der Herstellungsenergie, erfordern, dass Kunststoffen aus Primärmaterial in allen Einsatzbereichen, wo dies möglich ist, Produkte aus Recyclingkunststoff vorgezogen werden, sofern sich nicht Lösungen mit ökologisch noch vorteilhafteren Werkstoffen wie Holz anbieten.

Dies gilt insbesondere für folgende Anwendungsbereiche

Verpackungen:

Tragetaschen und Beutel, Verpackungsfolien, Müllsäcke bis hin zu Schwerlast-Abfallsäcken

Baustellenbedarf

Abdeck- und Baufolien, Bau- und Abdeckplanen

Baustoffe

Fertigteile wie Kabelschutzplatten, Gitterrostböden, Kabelkanalabdeckplatten, Lärmschutz - und, Spundwände, Universalrinnen

Bodenabdecksysteme, Abdeckplatten, Dielen, Platten, Rasengittersteine, Stegbohlen, Waben, Terrassendielen)

Bodenschutzmatten, Wellplatten

Bänke, Bankbohlen, Tische, Sandkästen, Blumenbeete/-kübel, Abfallbehälter, Zäune, Zaunlatten/-pfosten, Absperrungen,

Unkrautteller, Poller, Komposter, Kinderbänke, Matschtische, Balken, Bord/-Grenz-/L-Steine, Bretter, Palisaden, Pfosten, Profile,

Komposter, Poller, Geländer für Parkanlagen und Grünflächen, Garten- und Landschaftsbau

Bürobedarf

Stehsammler, Papierkörbe; Mülltrennsystembehälter

Sicht- und Prospekthüllen, Ablageboxen, Dokumentenmappen, Ringbücher, Archivboxen, Schubladenboxen,

Briefablagen, Buchstützen

Heimische Holzprodukte mit dem „FSC“-Siegel an Stelle von energieaufwendigeren Werkstoffen wie Stahl, Nichteisenmetalle oder Kunststoffen

Die ökologischen Vorteile von heimischen Holzprodukten als Dämm- wie auch als Baustoff sollen beim Neubau wie bei

Sanierung von Gebäuden in grösstmöglichem Umfang genutzt werden. Neubauten im Hochbau sollen daher vorrangig als

Holzbauten errichtet werden, soweit dies aus statischer und brandschutztechnischer Sicht möglich ist.

Holzprodukte sollen darüber hinaus an Stelle von energieaufwendigeren Werkstoffen wie Stahl, Nichteisenmetalle oder

Kunststoffen auch in Einsatzbereiche wie Pfosten, auch für Verkehrsschilder und Wegweisungen, Leiteinrichtungen, Geländer etc. verwendet werden, soweit dies die konstruktiven Merkmale erlauben. Mindeststandard für Holzprodukte soll die Zertifizierung mit dem „FSC“-Siegel sein. Die Verwendung von Tropenholz soll zum Schutz der Regenwälder ausgeschlossen bleiben.

Förderung des ökologischen Landbaus durch Steigerung der Nachfrage der öffentlichen Hand nach Erzeugnissen des Öko-Landbaus

Eine gezielte Steigerung der Nachfrage der öffentlichen Hand nach fair erzeugten und gehandelten Produkten des Öko-Landbaus ist zur Förderung des ökologischen Landbaus als gesundheits- und umweltverträglichster Form der Landwirtschaft erforderlich. 

Dies wirklich sicherzustellen umfassend zu fördern, gebietet für die Stadt mit ihren Einrichtungen mit Gemeinschaftsver-pflegung wie Kindertageseinrichtungen, Schulen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und Kantinen, Seniorenheime, Kliniken, Theater, Stadthallen, Tiergärten und alle Aufgabenträger mit Beteiligung der kommunalen Ebene eine umfassende Beschaffung und Verwendung von gesunden qualitätsvollen glyphosat-gift- tierqual-, antibiotika- und gentechnikfrei fair erzeugten und gehandelten Produkten aus dem ökologischen Landbau anstelle solcher aus der industriell-intensiven Landwirtschaft in den Bereichen Lebensmittel, Getränke, Textilien, damit Städte und Kommunen ihrer Vorbildfunktion in Sachen umweltfreundlicher Beschaffung gerecht werden.

Eine Steigerung der Nachfrage nach Erzeugnissen des Öko-Landbaus kann auch als Beitrag zur Erhöhung der Produktion von Bio-Produkten angesehen werden, da gesicherte Absatzmärkte für Bio-Produkte für Landwirte eine wichtige Voraussetzung bei den betriebswirtschaftlichen Überlegungen zur Umstellung auf den Öko-Landbau darstellen.

Nachdem die Bio-Landwirtschaft die umwelt- und gesundheitsschonende und somit als beste Variante der Urproduktion gut und vorteilhaft für Artenschutz, Biodiversität, Boden, Grund- und Trinkwasser, Gesundheit und das Klima ist, ist bei der Beschaffung landwirtschaftlicher Erzeugnisse grundlegend auf solche aus kontrolliert ökologischem Landbau zurückzugreifen. Dabei ist insbesondere beim Einkauf von Importware darauf abzustellen, dass diese Erzeugnisse möglichst den Fair-Trade-Bedingungen genügen und nicht unter Missachtung grundlegender Arbeitsrechte hergestellt werden.

Dies bezieht sich ausdrücklich auch auf Textilien / Dienstkleidung, bei denen eine Vorgabe für die Herstellung der Faserrohstoffe aus kontrolliert ökologischem Anbau erforderlich ist, sofern nicht - wie bei Outdoor-Ausrüstung besondere Anforderungen an die Witterungsbeständigkeit zu stellen sind. In diesen Fällen wäre auf Textilien aus Sekundärrohstoffen zurückzugreifen, wie etwa aus Textilfasern aus der Wiederverwertung von PET-Abfällen bzw. aus ähnlichen geeigneten Recyclingkunststoffen. Dabei ist der Einkauf von Textilien auszuschliessen, die in Billiglohnländern unter Missachtung grundlegender Arbeitsrechte hergestellt werden.

Überdies sollen Städte und Gemeinden alle ihre direkten Einflussmöglichkeiten zur Umstellung landwirtschaftlicher Nutzflächen auf gift- und gentechnikfreie kontrolliert-biologische Bewirtschaftung ausnutzen, insbesondere durch umfassend gift- und gentechnikfreie und kontrolliert-biologische Bewirtschaftung kommunaler Liegenschaften und entsprechende Vorgabe auch für alle Pachtflächen an deren Pächter.

Baustellenabfälle sind die größte Abfallfraktion. Um die Chancen von Recyclingbaustoffen beim Einsatz im Neubau auszureizen, sollte zur Schonung der mineralischen Rohstoffe sowie knapper Deponiekapazitäten die Verwendung von aufbereitetem und gereinigtem Bauschutt-Granulat anstelle von Kies oder Schotter beim Unterbau von Strassen, Wegen und Stellplätzen, bei nötigen Bodenaustausch sowie möglichst auch beim Unterbau von Gebäude-/Hallenböden erfolgen.

Da schlummern unzählige Ressourcen- und Energieeinsparmöglichkeiten zum Erreichen der Biodiversitäts schutzziele, denn mit dem Einsatz von Recyclingbaustoffen gerade im mengenmässig höchst relevanten Tiefbau für Unterbau, Frostschutz- und Tragschichten von Strassen, Wegen und Stellplätzen können wertvolle Lebens- und Naturräume mit ihrer Biodiversität vor Eingriffen durch weitere Kiesabbauflächen oder Steinbrüche bewahrt werden. Ebenso durch Einsparung von Deponieraum-Kapazitäten, was dem Erhalt von land­schaftlichen und Naturschönheiten zugutekommt.

Doch grosse Einsatzpotenziale für Recyclingbaustoffe bei öffentlichen Bauvorhaben liegen brach, so 

2. Kreisvorsitzender Johann Meindorfer.